Martina Eden

Foto einer zweibaendigen Ausgabe von Jack Londons Martin EdenHeute mal eine Antwort auf eine fiktive Leserfrage: Ja.
Ach so, erstmal die Frage:
Hat der Name der Autorin etwas mit Jack London’s Roman Martin Eden zu tun?

Als Teenager war ich begeisterte Leserin von Jack-London-Romanen, die ich ab und zu gemeinsam mit meinem Bruder von der alten Nachbarin heimlich zugesteckt bekam. Heimlich, da sie eigentlich dem Mann der Nachbarin gehörten, der sie aber nicht mehr lesen konnte, da er dement war.
Martin Eden war jedenfalls einer meiner Lieblingsromane von Jack London, den ich auch später noch respektierte, als ich mich über die meisten anderen seiner Bücher erhaben fühlte. Auch als erwachsene brotlose Künstlerin erinnerte ich mich noch gern an das perfekte Timing, mit dem sich der schriftstellerische Erfolg des Protagonisten exakt in dem Augenblick einstellt, als es zu spät ist. So kam ich auf das Pseudonym Martina Eden. Etliche Jahre habe ich es sorgsam aufbewahrt, um es schließlich für den Himmelstarrer-Roman mit einer beiläufigen Geste aus der Schublade zu ziehen.

Der Martinsmann

Es lebe die Verdrängungsarbeit! Erst vor Kurzem habe ich mich daran erinnert, dass Himmelstarrer ursprünglich gar kein Buch, sondern ein Film werden sollte.
Nachdem ich 2004 ein Treatment mit dem Arbeitstitel Der Martinsmann angefertigt hatte, versuchte ich erfolglos, für die Erstellung des Drehbuchs Geld aufzutreiben.
Im Rückblick kann ich die potentiellen Geldgeber allerdings verstehen, dass sie mein Projekt nicht unterstützen wollten. Hier ein Auszug aus einem meiner damaligen Bewerbungsschreiben:

Obwohl das Treatment auf historischen Schriften basiert, soll Der Martinsmann kein Geschichtsfilm werden, keine theologisch-didaktische Verfilmung einer Heiligenvita und auch kein Glaubensverkündigungsepos. Die Welt des Wunders wird zwar berührt und es wird damit hinausgewiesen über die Welt des Normalen, Realen. Gleich hinter dem Realen kommt aber nicht unbedingt das Metaphysische, sondern erst einmal – das Surreale. Was sich auch in der Bildsprache des Films niederschlagen soll.

Da mir die Filmidee jedoch so ans Herz gewachsen war, entschloss ich mich, den Stoff umzuschreiben und in Buchform zu veröffentlichen. So ist dann mein Roman Himmelstarrer entstanden.

Nun, ein Stück aus dem Bewerbungstext hat es immerhin auf die Rückseite des Buches geschafft:

Klappentext Himmelstarrer

Und dann?

Foto der letzten Exemplare des Himmelstarrer-RomansEs gibt noch genau 17 Exemplare des Himmelstarrer-Buchs!
Die letzten 11 Bücher werde ich wohl zu Sammlerstücken erklären …
Dann kann ich diese Website endlich umwidmen!

Himmelstarrer. Der Blog zum Sankt-Martins-Roman

… wird dann zu …

Himmelstarrer. Der Blog zum Wort.

 

Vita sancti Martini

Foto der Reclamausgabe der Vita sancti MartiniSeit 2010 gibt es Sulpicius Severus’ Lebensbeschreibung des Heiligen Martin in einer zweisprachigen Reclamausgabe. Höchst empfehlenswert für alle, die mehr über Martin von Tours erfahren wollen, aber kein Interesse an einem Roman haben, noch dazu einem unhistorischen.

Sankt-Martin-Relief

Relief von Sankt Martin am Hulbe-Haus in HamburgFalls jemand demnächst einmal nach Hamburg kommt und durch die Mönckebergstraße schlendert – es lohnt sich, ab und zu den Blick von den Schaufenstern zu lösen und nach oben zu schauen.
Ich habe mich jedenfalls sehr gefreut, an der Seitenwand der Nummer 21 dieses Martin-Relief zu entdecken!
Erst auf den zweiten Blick ist mir aufgefallen, dass der Bettler seinen Kopf verloren hat. Womöglich das Ergebnis einer Protestaktion von Straßentauben, die durch die Stacheln an der Oberseite des Reliefs um einen schönen Pausenplatz gebracht wurden …

Zum 11.11.

SANKT MARTIN UND DER BETTLER ALS MUTTER-KIND-PERFORMANCE
(Mutter in der Rolle des Bettlers, dreieinhalbjährige Tochter in der Rolle Sankt Martins.)

 Erster Aufzug
Zuhause / Schneebedecktes Feld
Erster Auftritt
Martin. Bettler.

Martin: Du armer Mann, hier hast du einen halben Mantel.
(Nach kurzem Nachdenken und einem Blick in die Umgebung.)
Und hier einen Teddybär.
(Das Kuscheltier wird feierlich überreicht. Große Zufriedenheit. Martin geht ab. Bettler geht ab.)

ENDE

Batik: Mädchen, einen Löwen streichelnd

Historische Werbung

Wenn man die Werbesprüche liest zu historischen Romanen, gibt es durchaus ein paar, die auch auf meinen unhistorischen Sankt-Martin-Roman passen:

Himmelstarrer
Eine grausame Zeit – ein unerbitterlicher Inquisitor – eine verbotene Liebe.

Oder:

Himmelstarrer
Große Gefühle, große Sehnsucht.

(Beides aus: http://www.droemer-knaur.de/historische-romane)

Richtig erhellend ist keiner dieser Sprüche. Allerdings beginnt man zu ahnen, dass historische Romane meistens auch Liebesromane zu sein scheinen.
Aber welcher Roman ist kein Liebesroman?

Warum eigentlich unhistorisch?

Nach der Meinung von Wikipedia ist ein historischer Roman ein fiktionales Prosawerk, dessen Handlung in einer historischen Zeit spielt. Das würde auch auf meinen Sankt-Martin-Roman zutreffen.
Zudem basiert Himmelstarrer auch noch auf historischen Texten. Das wären vor allem die antiken Schriften des Sulpitius Severus über Martin von Tours, dann noch die im 5. Jahrhundert von Gregor von Tours verfasste Geschichte der Franken, und die mittelalterliche Legenda Aurea des Jacobus de Voragine.
Im Untertitel steht es aber laut und deutlich: Unhistorischer Roman aus der Zeit des Martin von Tours.
Tja, so ist es nun mal. Denn, obwohl einige meiner besten Freunde historische Romane sind … das wäre eine falsche Fährte.

Ein Roman über Martin von Tours

Himmelstarrer ist ein Buch für junge Erwachsene, Johnny-Cash-Fans und für alle, die als Kind einmal mit Begeisterung an einem Laternenumzug zu Ehren von Sankt Martin teilgenommen haben.

Weißes Pferd auf Weg im Wald

Genau genommen handelt es sich allerdings weniger um einen Roman über Martin von Tours, sondern mehr um einen Roman über die Erlebnisse seines Biographen Sulpitius Severus.

Das wäre dann aber ein ziemlich komplizierter Titel für diesen ersten Blogartikel geworden …